Manuelle Lymphdrainage

LYMPHE – WAS IST DAS ? UND STECKT DA EIN SYSTEM DAHINTER ?

Lymphe ist Flüssigkeit, die aus Eiweiß, Stoffwechselschlacken, Entzündungsprodukten und Gewebswasser, im Bauchraum zusätzlich aus Fett besteht.

Nun, woher kommt sie?

Sie entsteht im Bereich der Haargefäße.

Durch den immer kleiner werdenden Gefäßdurchmesser, gibt das Blut im arteriellen Schenkel der Kapillare Flüssigkeit mit gelösten Nahrungsstoffen, Sauerstoff und kleine Moleküle zur Zellernährung durch die Gefäßwand ins Gewebe ab.

So kann der Zellstoffwechsel stattfinden. Man kann sagen, das Wasser übernimmt eine Art “Milchmannfunktion”.

Im venösen Schenkel werden 90% zurück in den Blutkreislauf durch unser Bluteiweiß, das Wasser anzieht, hereingesogen. Uns interessieren aber hier nur die verbliebenen 10%.

Diese 10% nehmen die übrigen Bestandteile der Lymphflüssigkeit aus dem Zwischenzellgewebe auf und werden von den Lymphkapillaren weiter transportiert. So beginnt der  Lymphkreislauf

Gliederung:

  • Lymphkapillare
  • Präkollektoren
  • Kollektoren
  • Lymphstämme

An zentralen Punkten sind Lymphknoten. Im Volksmund oft als “Lymphdrüsen” bezeichnet, die eine vergleichbare Aufgabe haben wie der Zentralcomputer des BKA in Wiesbaden: Erkennen und erfassen von Eindringlingen, Feinden und anderer körperfremden Stoffen; daraufhin Bildung von Sonder-Einsatzgruppen oder Spezialeinheiten (z.B. GSG 9) bestehend aus Lymphozyten. Deshalb auch der Begriff Drüse, da hier etwas produziert und abgegeben wird, jedoch meines Erachtens dem Lymphknoten nicht gerecht wird, da man annehmen könnte, dass hier die Lymphe entsteht.

Darüber hinaus regulieren sie den Proteingehalt der Lymphe indem sie der Lymphflüssigkeit Wasser entziehen.

Zum Lymphsystem gehören auch Lymphatische Organe wie die Milz, die Tonsillen (Mandeln) und die Thymusdrüse.

Ein großer Teil der Lymphe fließt über den Bauchraum in die Cisterna Chyli. Wie die Bezeichnung „Cisterna“ bereits vermuten läßt, handelt es sich um ein Sammelgefäß, etwa in Höhe des Bauchnabels, indem sich die Lymphe aus den verschiedenen Körperregionen sammelt.

Hier hat sie eine milchig- trübe Färbung, durch Fetttröpfchen, die über den Dünndarm aufgenommen und dann nach Verarbeitung in den Zellen zu den Eingeweidelymphgefäßen abgegeben werden.

Dann weiter in dem größten Lymphgefäß, dem Ductus Thoraticus in den linken oberen Venenwinkel, gebildet von V. jugularis (Halsvene)und V. subclavia  (Armvene) zurück in den Blutkreislauf, und gelangt von dort aus über die rechte Herzseite zu den Ausscheidungsorganen.

Außerdem ist es wichtig zu wissen, dass der Körper durch Wasserscheiden in Quadranten unterteilt ist, von denen die Lymphgefäße hin zu den Lymphknoten führen. Sie sind undurchlässig, bis auf wenige Stellen, den sog. Anastomosen.

Vergleichbar mit Europa, vor der Zeit der Vereinigung.

Jeder Quadrant hat eine “Regierung” (bestehend aus Lymphknoten ; hier heißen sie Regionäre Lymphknoten) wohin die gesamte Lymphe dieses Bereichs hinfließen muss. Man spricht hier von einem Tributargebiet; d.h. dem Einzugsgebiet der Lymphe.

Verbunden sind die Quadranten wie erwähnt durch Anastomosen, die nur durch manuelle Drainage geöffnet werden können.

DAS LYMPHÖDEM

Einteilung in 4 Stadien

  1. Stadium der Latenz (Ruhestadium) bei dem zwar die Gefäße geschädigt sind, aber noch kein Ödem hervorgerufen wird.
  2. Eindrückbares spontan reversibles Ö. nach physischer Anstrengung oder längerem Stehen, bildet sich im Laufe des Tages und verschwindet über Nacht bei Hochlagerung
  3. Eindrückbares spontan irreversibles Ö. bleibt auch nach Hochlagerung bestehen, reversibel mit Behandlung
  4. Elephantiasis; kaum eindrückbares irreversibles Ö. mit Erysipel, Ekzem Papillomatose und Lymphfistel. Gewebswucherung (Proliferation) bleibt auch nach Behandlung bestehen

WARUM HEISST ES LYMPHDRAINAGE, UND NICHT LYMPHMASSAGE ?

Unter Massage versteht man eine Therapieform, bei der mit durchblutungsfördernder Grifftechniken Schmerzlinderung, bzw. –befreiung erreicht wird.

Da aber wie eingangs erwähnt, der Beginn der Lymphe mit der Durchblutung in der Peripherie untrennbar verbunden ist, wird deutlich, warum diese Therapieform normalerweise kontraindiziert ist. Mehrdurchblutung zieht verstärkte Lymphproduktion zwangsläufig mit sich und damit eine Verschlechterung des Ödems.

Vergleich zum tägl. Alltag :

Wenn sie einen Eimer Putzwasser in die Kanalisation schütten, diese aber verstopft ist, kommt es zum Rückstau und zur Überschwemmung. Sie werden also alles tun, um den Kanal zu entlasten.

Drainage ist aus verschiedenen Bereichen bekannt. Ob bei Wiesen und Feldern, beim Hausbau, bei OP`s künstlich gelegt, oder bei unserem Thema.

Alle haben sie ein Ziel gemeinsam: das Entwässern, die gleichmäßige Verteilung von Wasser, um Störungen und Schäden durch Stauungen zu vermeiden.

Daher heißt es korrekterweise : Lymphdrainage

Hier handelt es sich um eine Druck- und Schub – Behandlung, um im Gewebe verbliebene Lymphe zu verschieben und die Tätigkeit der Lymphbahnen anzuregen.

Entstauung immer von proximal (körpernah) nach distal (körperfern) . Sie würden bei o.g. Beispiel auch zuerst die Blockade des Kanals beseitigen, und nicht vorher das Wasser ausschütten, richtig?

WARUM KOMMT ES ZUM LYMPHÖDEM ?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

1. Primäres Lymphödem  (angeboren)

  • zu wenig ,keine oder zu große Lymphgefäße (Hypo- bzw. Hyperplasie)
  • Lymphödema praecox  (vor dem 35. Lebensjahr)
  • Lymphödema tardum   (nach dem 35. Lebensjahr;  unbedingt Malignom ausschließen)
  • Angeborene Verhärtung der Lymphknoten

2. Sekundäres Lymphödem (erworben)

Die Ursache ist eine Bekannte Krankheit

  • Tumore – Malignes Lymphödem  (Krebs)
  • Resektion oder Bestrahlung der Lymphknoten und Lymphbahnen wg. Malignem Tumor
  • Trauma mit Gewebsdestruktion (Gewebszerstörung)
  • Chirurgische Eingriffe mit unabsichtlichen Beschädigungen der Lymphbahnen
  • Infektionen, Bakterien, Pilze, Filarien
  • Artefizielles (Selbstbeigebrachtes) Lymphödem
  • Angio-venöse Insuffizienz
  • Chronisch-venöse Insuffizienz   (CVI)
  • Erschlaffung des Bindegewebes; Dadurch reduzierte Wirkung der Muskelpumpe; ähnlich der Muskeldystrophie.

Desweiteren gibt es die weitverbreitete Form des Lipolymphödems.

Hierbei sind Fettverteilungsstörungen die Ursache.

Lymphbahnen werden blockiert, bzw. versuchen diese Blockade durch korkenzieherartige Umwachsung zu überwinden. Dadurch verringert sich aber die Abflußgeschwindigkeit, und es kommt zu verstärkter Einstauung.

Das Kardiale ödem (infolge einer Rechtsherzinsuffizienz) ist ausschließlich ärztliches Behandlungsgebiet !

ÜBUNGEN ZUR SELBSTHILFE:

  • Arme kreuzen; mit den Fingerbeeren in den Schlüsselbeingruben kreisen
  • (Lnn. Supraclaviculares) mit Schubrichtung Venenwinkel
  • Ebenso unter den Achseln. (Lnn. Axillares)  Schubrichtung (SR): vorne / unten
  • Dito an den Flanken etwa auf Höhe des Bauchnabels (hier NICHT kreuzen). SR: Zentrum
  • Beide Hände entspannt auf den Bauch legen;  Bauchatmung; Ausatemphase durch sanften Druck nach innen unterstützen. (Cisterna Chyli)
  • Beide Hände (hier NICHT kreuzen) mit den Zeigefingern direkt auf den Leisten (Lnn: Inguinales). SR: oben / außen

Zusätzlich alle Übungsmöglichkeiten, die die Muskelpumpe anregen.

Aber WICHTIG !!!

OHNE PASSENDE KOMPRESSION IST DIE THERAPIE DES LYMPHÖDEMS SINNLOS !!

 

 

 

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